




Punkt 22:10 betritt ein interessant gekleideter Mann ein Diner irgendwo in Los Angeles: Unter seinem Plastikregenmantel, aus dem verschieden große Rohre und Schläuche ragen, sind mit Kabelbündeln umwickelte Leiterplatten, Sensoren und Mikrocontroller zu sehen. So stellten sich Mitte der Neunziger die Nutzer des internationalen Computernetzwerks "FIDOnet" einen Hacker vor.
Trotzdem sagt uns (und den Gästen des Diners) etwas, dass er nicht ganz ein Hacker ist. Vielleicht ein Armband mit Timer am Handgelenk. Möglicherweise auch ein Zünder in der Hand.
Der Mann entreißt der Öffentlichkeit schnell die Handys und erklärt, dass er kein Selbstmordattentäter sei, sondern ein Zeitreisender aus der Zukunft. In der Zukunft ist, wie üblich, nicht alles gut: Eine künstliche Intelligenz ist außer Kontrolle geraten und hat die Menschheit endgültig unterdrückt. Seine Aufgabe ist es, aus den Leuten an den Tischen ein Team zur Rettung der Welt zusammenzustellen. Übrigens hat er das schon 117 Mal versucht, und noch keine Kombination von Gästen hat richtig funktioniert. Wenn es auch diesmal nicht klappt, drückt er den Knopf des "Zünders" (eigentlich eine Zeitmaschine), kehrt um 22:10 zurück und versucht es erneut.
So eine Mischung aus "Und täglich grüßt das Murmeltier" und "Terminator". Aber mit einem wichtigen Unterschied: Während in Filmen wie "Und täglich grüßt das Murmeltier", "Edge of Tomorrow", "Source Code", "Palm Springs", "The Gun Day" und so weiter (ja, ich habe sie alle gesehen, ich liebe dieses Genre) die Handlung um die Entwicklung des Helden in seinem endlosen Zyklus "lebe-stirb-wiederhole" kreist, entwickeln sich die Ereignisse hier innerhalb eines einzigen Zyklus. Und da die Bildschirmzeit gefüllt werden muss, wird sie mit den Vorgeschichten der Charaktere aus der aktuellen Teamzusammenstellung gefüllt.
Die Idee ist gut, die Umsetzung fragwürdig. Alle Rückblenden hier sind eine kaum erträgliche ludditische Satire im Stil weniger gelungener Episoden von "Black Mirror". Soziale Netzwerke zombifizieren Kinder. Klonen ist eine eher schlechte Idee. Videospiele ersetzen den Menschen die Realität. Das ist buchstäblich die Verfilmung des Memes "Alter Mann (in diesem Fall Regisseur Gore Verbinski) schreit eine Wolke an". Okay, Boomer.
Obwohl sowohl diese Segmente als auch der Film insgesamt größtenteils von Humor und Selbstironie getragen werden. "Die Menschheit hat sich schon früher geirrt, nehmen wir zum Beispiel Hitler. Oder Segways." Die Gespräche der Eltern über Klonen sind einfach übernatürlich; dir ist gleichzeitig lustig, unheimlich und peinlich.
Übrigens erstreckt sich diese Formel erfolgreich auf den gesamten Film. Lustig, ein bisschen unheimlich, manchmal (öfter als gewünscht) peinlich. Dennoch ist er definitiv einen Blick wert. "Terminator" handelte von der Angst vor Maschinen. Jetzt haben wir eine neue Angst – vielleicht liegt das Problem nicht in den Maschinen selbst, sondern darin, von wem sie lernen. Und das bedeutet, dass wir nur noch in einer verdammten Welt leben können, die wir selbst erschaffen haben.
#habe_den_Film_gesehen
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