

Habe kürzlich „Only Lovers Left Alive“ und „Dead Man“ von Jarmusch wieder gesehen. Zwischen den Filmen liegen fast 20 Jahre – aber die Parallelen sind zahlreicher, als es scheint
In beiden Filmen sind die Helden Außenseiter. Vampire unter Menschen, ein Buchhalter aus Cleveland im Wilden Westen. Jarmusch mag dieses Thema, aber hier wird es besonders deutlich präsentiert.
Zweitens: das Thema Leben und Tod. Jarmusch kehrt oft dazu zurück, aber in diesen beiden Werken tritt es besonders in den Vordergrund. Interessanter ist nicht der Tod selbst, sondern das, was er hinterlässt – und was mit denen geschieht, die bleiben.
In beiden Filmen spielt Poesie eine wichtige Rolle. In „Dead Man“ trägt der Held buchstäblich den Namen des Dichters William Blake, und der ganze Film ist ein jenseitiger poetischer Trip. In „Only Lovers Left Alive“ existieren die Vampire als Hüter der Kultur: einer ist Musiker, die andere liest mit einer Geschwindigkeit, die jeder Redakteur beneiden würde. Kunst ist hier eine Möglichkeit, sich festzuhalten, wenn alles um einen herum zerfällt.
Die Musik spricht in beiden Fällen lauter als die Figuren. In „Dead Man“ – nervöse Soli von Neil Young, als ob die Gitarre mit dem Helden stirbt. In „Lovers“ – langsamer Drone-Rock von SQÜRL mit Laute. Dort Schmerz und Krampf, hier Ewigkeit und Müdigkeit von ihr.
Und beide verformen die Zeit, nur in unterschiedliche Richtungen. In „Dead Man“ zieht sie sich zusammen: Der Held stirbt den ganzen Film über, und am Ende ist unklar, an welchem „Ufer“ er sich befindet. In „Only Lovers Left Alive“ dehnt sie sich dagegen ins Unendliche. Die Vampire erinnern sich an Shakespeare als Lebenden und sind der Menschen überdrüssig, die wie Streichhölzer verglühen.
Da fragt man sich: Ist das Zufall oder ist Jarmusch einfach so – er kehrt immer wieder zu denselben Fragen zurück und findet jedes Mal eine neue Hülle dafür.
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