„Die schwarze Gräfin“ – gleichzeitig cringe und eine nette Serie

Solche Gedanken kamen mir nach dem Anschauen der ersten Folge des neuen Projekts von Okko, in dem Kirill Käro und Juri Chursin die Hauptrollen spielen.

Erstens gibt es Fragen zur Kameraführung. Anfangs scheint diese ganze Körnigkeit dadurch gerechtfertigt, dass uns eine historische Inszenierung gezeigt wird (in Wirklichkeit eine Probe für ein immersives Theaterstück für einen Millionär), aber warum sie auch danach noch bleibt, ist überhaupt nicht klar.

Zweitens spürt man den offensichtlich beabsichtigten Kontrast zwischen der Theatralik der Inszenierung und dem eigentlichen Krimi (während der Aufführung geschieht direkt ein echter Mord) nicht, und alles wirkt eher eben theatralisch, was für eine Serie nicht die beste Lösung ist. Die Schauspieler spielen entsprechend, mal möchte man sich die Stirn durchschlagen, mal lacht man offen darüber, wie unbeholfen das alles wirkt. Und diese „erotischen“ Szenen sind ein ganz eigenes Kapitel, das man in ein Buch mit schlechten Ratschlägen aufnehmen sollte, wie man diese Erotik dreht.

Das Gute: Die Idee an sich ist amüsant. Ilja Kulikow und Co. haben ein immersives Theaterstück, einen abgeschlossenen Krimi im Stil von Agatha Christie und einen Hauch von Mystik in Gestalt der titelgebenden schwarzen Gräfin zu einem Ganzen vermischt. Ob daraus am Ende etwas Vernünftiges wird, ist die große Frage. Wenn ja, dann Ehre und Lob den Drehbuchautoren, wenn nein, nun, danke für den Versuch. Dabei fürchte ich, dass die beschriebene Herangehensweise an die Dreharbeiten jegliche Lust nimmt, dem Projekt eine Chance zu geben, sich voll zu entfalten. Schließlich muss man sich sehr überwinden, so viel Zeit für die Bemühungen eines Laienzirkels (genau solche Assoziationen entstehen beim Anschauen) zu opfern.