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Im breiten Kinostart ist noch der neue Weltraum-Blockbuster „Projekt Weltuntergang“ mit Ryan Gosling in der Rolle eines einsamen Gesandten zu den Sternen auf der Suche nach neuem Leben zu sehen. Darüber, wie der Film zwischen Hollywood-Glamour und za...

Nun hat der Ruhm des einsamen (und im Weltraum ausgesetzten) Retters der Erde Ryan Gosling erreicht. Anscheinend war es an der Zeit. In der Karriere jedes Schauspielers kommt ein solcher Moment. Es ist wie eine Reifeprüfung, und Gosling hat sie anscheinend erfolgreich bestanden, aber der Film selbst, „Projekt Weltuntergang“, wohl kaum. Er hat gerade so eine Vier minus erreicht.

Der Film wird buchstäblich vom bodenlosen Weltraum und dem eigenen Größenwahn der Regisseure Phil Lord und Christopher Miller verschlungen, die gemeinsam und einzeln an einer Reihe recht erfolgreicher Projekte beteiligt waren, darunter auch das Universum des neuen „Spider-Man“. Die Liebe zu Gliederfüßern haben die Autoren übrigens auch in diesen Film übertragen: War es früher ein Superheld, so ist es jetzt ein Außerirdischer in Gestalt einer steinernen Spinne. Aber dazu später mehr.

Weltraum als Vorahnung: Ryan Gosling rettet die Erde und freundet sich mit Außerirdischen an
Szene aus dem Film „Projekt Weltuntergang“

Nach der Handlung des Films „Projekt Weltuntergang“ wird der Schullehrer Ryland Grace (Ryan Gosling) Teilnehmer eines Weltraumprogramms zur Rettung der Erdbevölkerung vor einem langen und qualvollen Aussterben. Die Sache ist die, dass sich eine Kette von Mikroorganismen (wissenschaftlich trocken als „Petrova-Linie“ bezeichnet) ziemlich schnell auf die Sonne zubewegt, die ihre Aktivität erheblich reduzieren können, was wiederum die Erdbewohner zum Hungertod verurteilen würde.

Das Projekt mit dem poetischen Namen „Ave Maria“ wird von der Leiterin des internationalen Rettungsrates Eva Stratt (Sandra Hüller) betreut – einer Dame mit eisernem Gesicht, aber lebendigen Augen, die in Graces wissenschaftlichen Arbeiten Potenzial sah. Doch bereits während der Mission bleibt Grace allein auf dem Schiff zurück: Zwei seiner Begleiter, darunter der Pilot des Schiffes, sind gestorben. Eine Rückkehr ist unmöglich – der Treibstoff reicht nicht. Es bleibt nur, das Begonnene zu Ende zu bringen, aber an der „Petrova-Linie“ wartet bereits ein außerirdisches Schiff. Und es scheint, es ist aus demselben Grund gekommen wie Grace.

Der Film basiert auf dem Buch des Schriftstellers Andy Weir, und dies ist bereits die zweite Verfilmung seiner Werke. Die erste war 2015 „Der Marsianer“ von Ridley Scott, in dem Matt Damon seinen eigenen Garten auf dem Mars anlegte. Und nun, 11 Jahre später, kam „Projekt Weltuntergang“ in die Kinos. Einen Garten gibt es zwar nicht mehr, dafür aber Karaoke und Wodka. Weir ist gewissermaßen zum Botschafter der groß angelegten kosmischen Robinsonade im Kino geworden. Mit obligatorischer Beteiligung von Schauspielern der ersten Garde und ebenso obligatorischer Präsentation als teurer Blockbuster.

Weltraum als Vorahnung: Ryan Gosling rettet die Erde und freundet sich mit Außerirdischen an
Szene aus dem Film „Projekt Weltuntergang“

Was Letzteres betrifft – kein Zweifel. Auf der Leinwand schimmert der Weltraum buchstäblich in Gold und sprudelt vor Fantasie der Macher. Die Galaxie schimmert in psychedelischen Farben unter der Optik von Kameramann Greg Fraser und den heftigen Synthesizern von Daniel Pemberton; die ungleichmäßig über die riesige Laufzeit verteilten Leiden von Grace sind nicht ohne Einfallsreichtum und lassen einen regelmäßig den Atem anhalten, und für den emotionalen Teil sorgt die sentimentale Freundschaft des Protagonisten mit einem Außerirdischen in Gestalt einer steinernen Spinne. Ist das nicht ein freundlicher Nachbar? Nur eben im Weltraum.

Angesichts des oben Genannten hätte „Projekt Weltuntergang“ ein durchaus gelungener Film werden können, in dem frische Gedanken zum Thema Isolation des Menschen im Weltraum, zum Blick in sich selbst, wenn um einen herum eine eisige Sternenwüste ist und man mit niemandem richtig reden kann, hätten aufkommen können. Aber letztendlich bleibt „Weltuntergang“ ein Projekt, das ausschließlich nach Hollywood-Glamour duftet. Für einen Blockbuster konnte es natürlich nicht anders sein – die Ambitionen lassen es nicht zu.

Der bereits erwähnte Größenwahn hindert die Geschichte jedoch daran, in die Tiefe zu wachsen. Vielleicht gab es einige Versuche, aber letztendlich ist es wieder eine hundertmal durchgekaute Erzählung, die der Ordnung halber erneut gnadenlos in Stücke geschnitten und dann in willkürlicher Reihenfolge zusammengenäht wurde: ein wenig „2001: Odyssee im Weltraum“, ein wenig vom selben „Marsianer“, sogar ein wenig (nur ganz wenig) „Alien“ usw.

Die Anspielungen der Filmemacher sind sofort erkennbar, und die Anwesenheit von Ryan Gosling verstärkt diesen Eindruck nur, obwohl er zum ersten Mal seit langer Zeit nicht weint, um Gelächter im Saal zu erzeugen, sondern wirklich. Denn in seiner Seele sind Sehnsucht und eine große Last der Verantwortung.

Weltraum als Vorahnung: Ryan Gosling rettet die Erde und freundet sich mit Außerirdischen an
Szene aus dem Film „Projekt Weltuntergang“

Da Gosling das Beste ist, was „Weltuntergang“ zu bieten hat, mit seiner Sanftheit und der Fähigkeit, den Zuschauer für sich einzunehmen (außerdem sieht er aus wie der Moderator einer morgendlichen TV-Sendung über das Weltall für Dummies), klammern sich die Filmemacher an ihn wie an einen Rettungsring und wollen sich nicht von ihm trennen, indem sie das Finale so weit wie möglich hinauszögern. Diese offensichtliche Ausbeutung des Helden und das endlose Spiel mit den Gefühlen (und Nerven) des Zuschauers ermüden etwas, und ein paar Mal möchte man Gosling endlich in Frieden ziehen lassen.

Das Einzige, wofür man „Weltuntergang“ noch loben kann, ist, dass die Macher des Films nicht erneut die bekannte These aufdrängen, dass der Mensch den Menschen braucht. Anscheinend braucht er ihn nicht mehr. Es ist Zeit, ins All zu fliegen und etwas anderes auszuprobieren.