Third-Person-Shooter – ein Genre, in dem scheinbar schon alles erfunden, ausprobiert und in einer Sammleredition mit Artbook neu aufgelegt wurde. In Deckung gehen, rauslehnen, ballern, rollen. Manchmal sind die Gegner besonders, manchmal die Waffen besonders, aber die Schießmechanik selbst ist längst zur Tapete geworden: sie ist da, und gut. Ausnahmen sind selten.

Bulletstorm hat das Genre einst aufgerüttelt, indem es das Schießen in eine akrobatische Show verwandelte – töte stilvoll, töte einfallsreich, töte inspiriert und theatralisch. Alan Wake machte aus einer Taschenlampe eine vollwertige Waffe – erst Licht, dann Kugel, sonst nichts. Pragmata funktioniert ähnlich: Man kann einfach schießen, aber das ist dumm, langsam und langweilig, etwa so, als würde man versuchen, den Gegner mit einem Suppenlöffel zu erschlagen. Deshalb beginnt jedes Feuergefecht mit einem Hack.

Das sieht so aus. Hugh, ein Astronaut in einem unscheinbaren Raumanzug, schießt. Diana, ein Androidenmädchen, sitzt auf seinem Rücken und hackt die Gegner in Echtzeit – sie führt eine „Schlange“ durch ein Raster aus Quadraten, sammelt Knoten und legt Schwachstellen frei. Solange sie nicht gehackt hat, absorbiert die Panzerung des Gegners den Schaden wie das Finanzamt dein Geld. Hat sie gehackt – Feuer. Alles geschieht gleichzeitig: die Augen springen zwischen Zielfernrohr und Raster, die Hände machen zwei verschiedene Dinge auf einmal. Klingt nach einem Rezept für Kopfschmerzen, fühlt sich an wie eines der besten Kampfsysteme der letzten Jahre. Eine wilde, aber sympathische Mischung aus Vanquish und Sudoku.

Diana ist dabei ein idealer Gameplay-Fund. Sie ist neugierig, seltsam, versteht nicht, was Geburtstage und Sonnenuntergänge sind, kann aber einen Boss von der Größe eines Hochhauses hacken. Sie ist unerträglich redselig und kommentiert jede aufgehobene Waffe und jeden Bonus, aber das nervt nicht – sie ist schließlich ein Kind. Außerdem telegraphiert Diana die Angriffe der Gegner hervorragend, und wenn sie „Ausweichen“ schreit, sollte man besser wirklich ausweichen.

Capcom in seiner besten Form – der zweite vollwertige Hit des Jahres, und dabei ist erst April. Und wenn Requiem sich manchmal wie ein Muttersimulator anfühlte, dann ist Pragmata von Anfang bis Ende ein Vatersimulator. Eine reine und frische Stimme ohne eine angesehene Franchise im Rücken; ja, manchmal hört man Bioshock heraus, manchmal „Na warte“, aber das ist kein Collage, das ist Charakter. Ein Anwärter auf das Spiel des Jahres. Ein leiser Anwärter, der dich schon in der ersten Stunde gehackt hat, und du hast es nicht einmal bemerkt.

#gespielt_ps5