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Der Thriller mit Elementen einer schwarzen Komödie „An der Kette“ (im Original Heel, was das Kommando für Hunde „bei Fuß“ bedeutet) macht neugierig mit seinem Titel und der Synopsis. Der Arbeitstitel des Films war „Guter Junge“, was ebenfalls auf die...

Im Zentrum der Handlung von „An der Kette“ (Heel) steht Tommy (Anson Boon), ein Junge, der noch nichts über sich weiß. Ist er gut oder böse? Eher Letzteres. Er liebt Nachtclubs, alles zu nehmen, was in seine Reichweite kommt, und Jugendliche vor der Kamera zu demütigen sowie seine Freundin ohne schlechtes Gewissen zu betrügen.

Seine Tage, oder besser Nächte, vergehen jedes Mal im Rausch, bis Tommy eines Tages im Keller eines fremden Hauses aufwacht, mit einer Kette an die Wand gefesselt. Zuerst sieht er Chris (Stephen Graham), der streng, aber höflich mit dem Jungen umgeht. So ein delikater Entführer. Dann lernt er dessen seltsame Ehefrau Catherine (Andrea Riseborough) kennen, die eher wie ein Schatten als ein lebendiger Mensch wirkt. Riseboroughs Figur ist anfangs sehr schweigsam und macht durch ihre ganze Erscheinung klar, dass in ihrem Leben ein großes Unglück passiert ist – welches genau, bleibt nur zu erraten. Das Paar hat auch einen verdächtig gehorsamen und freundlichen Teenager-Sohn Jonathan (Keith Rakusen). Eine durchaus verdächtige Familie. Ebenso wie ihre neue Haushälterin Rina (Monika Frajczyk).

An der Kette 2026
Standbild aus dem Film „An der Kette“

Warum halten diese frommen Leute den entführten Tommy im Keller fest? Der Zuschauer muss selbst die Antwort auf diese Frage finden. Anfangs versucht Tommy wie ein wildes Tier, aus der Falle, aus dem Käfig auszubrechen. Aber schnell wird ihm klar, dass sein gewohntes Verhalten hier nicht funktioniert. Und das Erstaunliche ist: Je mehr Tommy auf seinen Entführer zugeht, desto mehr Freiheit innerhalb des Hauses bekommt er. Die Kette wird länger, das Leben wird vertrauter, so vertraut es unter diesen seltsamen Bedingungen sein kann. Und schon gibt Tommy wie ein älterer Sohn dem Vater Ratschläge, wie er das Herz seiner Frau zurückgewinnen kann.

Einerseits zeigt der Film ein pervertiertes Beziehungsmodell zwischen dem Helden und seiner neuen „Familie“, andererseits sind diese Beziehungen nicht ohne einfache menschliche Nähe, Ausflüge zum Geburtstagspicknick, wenn auch unter einer Substanz, die einen völlig außer Gefecht setzt, damit man sich an den Weg nicht erinnert. Es liegt eine bittere Ironie des Lebens in all dem, und irgendwie kommt mir der berühmte Satz aus „Der kleine Prinz“ in den Sinn: Wir sind verantwortlich für die, die wir gezähmt haben.

Standbild aus dem Film „An der Kette“
Standbild aus dem Film „An der Kette“

„An der Kette“ flirtet ein wenig und macht ein bisschen Angst, aber insgesamt führt es ein recht offenes Spiel, dessen Regeln wir alle kennen und schon oft gesehen haben. Dennoch lohnt es sich, den Film anzuschauen, schon allein deshalb, weil Tommys Charme und Chris‘ väterliche Strenge perfekt miteinander harmonieren.