Ja, Zucker aktiviert das Belohnungssystem im Gehirn und löst eine Dopaminausschüttung aus. Aber dieses System wird auch aktiviert, wenn du einen alten Freund siehst, eine Katze streichelst oder ein Ziel erreichst. Sogar beim Anschauen von Reels, verdammt noch mal :)
Wenn es nur um Zucker als Substanz ginge, würden die Menschen zu reinem Raffinade gezogen werden. Aber nur wenige essen Zucker löffelweise. Die Menschen sehnen sich nach bestimmten Kombinationen: Zucker + Fett + Textur. Sie wollen „Napoleon“ oder „Snickers“, nicht nur süßen Sand. Das heißt, es bildet sich eine Gewohnheit an bestimmte Geschmacksreize.
Warum zieht es einen dann so sehr zu Süßem und warum fällt es so schwer, darauf zu verzichten?
Weil fünf Faktoren zusammenwirken.
1. Physiologisch. Wenn die Ernährung ein Ungleichgewicht von Fetten und Kohlenhydraten aufweist, wenn du nicht genug geschlafen hast oder das Mittagessen ausgelassen hast, wählt das Gehirn eher den schnellsten und einfachsten Weg, um Energie und Vergnügen zu bekommen. Süßigkeiten, Marshmallows und Schokolade sind in dieser Situation ideal: schnell, lecker, minimaler Aufwand.
2. Biochemisch.
Süßes und kalorienreiches Essen gibt eine starke Dopaminreaktion. Das Gehirn merkt sich schnell: Aha, das gibt ein klares und vorhersagbares Vergnügen.
Man muss nicht auf den Urlaub warten oder ein schwieriges Projekt abschließen, um eine Belohnung zu bekommen. Iss einen Nachtisch → erhalte eine Portion Vergnügen hier und jetzt.
3. Verhaltensbezogen.
Über Jahre hinweg haben sich Verknüpfungen eingestellt:
- Prüfung bestanden - mit Kuchen feiern,
- Chef hat angeschrien - mit Schokolade trösten,
- müde nach der Arbeit - sich mit Eis belohnen.
Das ist ein eingespielter Autopilot. Die Hand greift nach Süßem, bevor du überlegen kannst: „Brauche ich das überhaupt?“
4. Psychoemotional.
Süßes ist der zugänglichste emotionale Regulator. Es gibt vorhersagbare Angenehmheit, wenn dich auf der Arbeit alle nerven oder du dich mit deinem Mann gestritten hast. Es löst die Probleme natürlich nicht, aber es gibt die drei Minuten seliger Betäubung und Erleichterung.
5. Umweltbedingt.
Wir leben in einer Welt ständiger Auslöser:
- Kekse und Süßigkeiten sind im Büro ständig verfügbar
- der Duft von Gebäck an der U-Bahn
- tief eingeprägte Slogans über „himmlisches Vergnügen“
- ständige Aktionen „Kaffee + Dessert“ an jeder Ecke.
Das Gehirn reagiert sofort auf diese Reize. Du warst gar nicht hungrig, aber bevor du dich versiehst, kaust du schon etwas.
🔜Die gute Nachricht ist, dass es absolut möglich ist, das Verlangen nach Süßem zu reduzieren.
Und nein, nicht durch Askese oder Ermahnungen „nimm einfach das Süße weg“.
Man sollte mit der Basis beginnen: Ernährung, Rhythmus und Struktur aufbauen. Denn auf einen hungrigen, müden und chaotisch essenden Organismus legt sich keine „Achtsamkeit“ richtig.
Dann erst die Arbeit mit Gewohnheiten, Automatismen und emotionalem Essen angehen.
So sieht das in der Realität aus: Rückmeldung einer Teilnehmerin des Clubs:
„Jetzt habe ich nicht einmal Lust, mich mit Schokolade vollzustopfen, obwohl fast immer zu Hause oder bei der Arbeit Süßes da ist. Und ich esse es. Ruhig, ein paar Bonbons. Und nicht so, dass man sich eine Woche zurückhält und dann reinhaut.
Viele Produkte haben ihren Reiz verloren. Zum Beispiel mag ich Pizza nicht mehr, und morgens, oh Gott, habe ich das Eis nicht aufgegessen!“
Ja, das erfordert Engagement und gewisse Anstrengungen.
Aber das ist bei weitem keine titanische Heldentat und krampfhafte Zuckungen durch „Entzug“ ohne Süßes)
Hast du bemerkt, welche Situationen das Verlangen nach Süßem am stärksten auslösen? Bei welchem Punkt hast du dich wiedererkannt?
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