Letztens habe ich das Buch "Das Ego ist der Feind" von Ryan Holiday zu Ende gelesen. Holiday ist so etwas wie ein Plutarch unserer Zeit, das Gesicht des Stoizismus des 21. Jahrhunderts.

Wenn man antike Philosophen wie Seneca als Schöpfer des Stoizismus betrachtet, dann ist Holiday ihr PR-Manager in der modernen Welt. Und das ist kein Scherz. Er ist wirklich gut.

Er hat eine ganze Reihe von Büchern, die alle irgendwie mit dem Stoizismus zu tun haben. Mit "Das Ego ist der Feind" habe ich begonnen, mich mit dieser Reihe vertraut zu machen. Habe es durchgelesen. Ein gutes Buch.

Der Hauptgedanke spiegelt sich im Titel wider. Holiday analysiert drei Phasen, die jeder von uns durchläuft:

1) Der Beginn des Weges – wenn wir ein Ziel anstreben, etwas erreichen wollen.
2) Der Gipfel – wenn das Ziel erreicht ist und wir bekommen haben, was wir wollten.
3) Der Fall – wenn wir auf dem Weg oder nachdem wir etwas erreicht haben, scheitern.

Und in jeder dieser Phasen schadet uns das Ego. Es schadet auf unterschiedliche Weise, richtet unterschiedlichen Schaden an. Aber so oder so ist das Ego immer ein Modifikator, der alles komplizierter und schlechter macht.

Holiday erzählt von all dem und teilt gleichzeitig mit, wie man mit dem Ego umgehen kann. Oder es zumindest versuchen.

Das Buch ist gut. Erstens habe ich daraus viel Neues gelernt. Zum Beispiel einer der Funde – die berühmte Euthymie, auf die ich in der Neujahrsansprache Bezug genommen habe.

Zweitens ist es eines der wenigen Bücher, nach deren Lektüre man nicht das Gefühl hat: "Na, schön die Zeit verbracht, aber was soll ich jetzt tun?". Denn Holiday erklärt nicht nur, was das Ego ist, sondern auch, was man damit machen kann, wie man es zumindest versuchen kann zu zähmen.

Nach der Lektüre habe ich eine ganze Rezension geschrieben. Sie ist zu groß, um sie direkt hier zu veröffentlichen, also habe ich mich daran erinnert, dass ich einen Blog habe, und habe sie dort veröffentlicht.

Ich empfehle es also. Mindestens – die Rezension zu lesen, maximal – das ganze Buch.

Rezension – hier.

Was denkt ihr über das Ego? Kämpft ihr gegen seine Erscheinungsformen oder habt ihr es so akzeptiert, wie es ist? Oder habt ihr vielleicht schon die Stufe der Erleuchtung erreicht, auf der das Ego ruhig sitzt und sich nicht zeigt? Teilt mit.