Preview image

Auf Netflix ist die Fortsetzung der Abenteuer des Söldners Tyler Rake erschienen, in dessen Rolle der Australier Chris Hemsworth äußerst hart und gnadenlos ist.

Nach der Schießerei im heißen Bangladesch, wo die Ereignisse des ersten Teils der Dilogie stattfanden, wird der Söldner Tyler Rake (Chris Hemsworth) schwer verwundet und vor dem sicheren Tod von seiner treuen Assistentin Nik (Golshifteh Farahani) gerettet. Rake wird in eine Klinik in Dubai gebracht, wo er lange im Koma liegt und die Ärzte sogar vorschlagen, ihn von den lebenserhaltenden Systemen zu trennen, aber Nik lehnt rundweg ab und glaubt unbeirrt an die eiserne Gesundheit ihres Partners.

Ihre Erwartungen erfüllend, öffnet Rake eines schönen Moments die Augen. Er wird in ein ruhiges Dorf in Österreich gebracht und ihm wird ein glücklicher Ruhestand gewünscht. Bald jedoch wird Rakes wohlverdiente Ruhe von einem mysteriösen Fremden () gestört, der ihm einen neuen Auftrag anbietet: die Familie eines örtlichen Mafiabosses aus einem georgischen Gefängnis zu holen, der sie dort gefangen hält. Rake stimmt zu und macht sich nach kurzem Training im Stil von „Rocky 4“ auf eine gefährliche Mission, wobei er auch ein persönliches Interesse daran hat, die Frau mit den Kindern zu retten.

„Three Thousand Years of Longing“: Wie der neue Film des Kultklassikers George Miller geworden ist
Ivan Kilyakov
„Three Thousand Years of Longing“: Wie der neue Film des Kultklassikers George Miller geworden ist

In den Kinos läuft „Three Thousand Years of Longing“, ein für unsere Breiten seltener großer Hollywood-Film, noch dazu gedreht von George Miller („Mad Max“), einem Regisseur, der in Russland geliebt wird

Open material
Im Feuer unverbrennbar, im Wasser unversenkbar: Rezension zum Film „Tyler Rake: Extraction 2“
Szene aus dem Film „Tyler Rake: Extraction 2“

Der erste Teil der Dilogie machte damals viel Lärm und wurde sozusagen zum kleinen Bruder von „John Wick“, und wie es sich für den Jüngeren gehört, will der Regisseur von „Rake“, Sam Hargrave, den Älteren (Chad Stahelski, versteht sich) unbedingt einholen und überholen. Beide sind Stuntmen und beide verstehen ihr Handwerk. Aber nur den Teil, der sich um Stunts dreht. Handlungstechnisch ist „Rake“ genauso arm wie „Wick“. Und die Verwendung von Gegenständen, die für Auseinandersetzungen völlig ungeeignet sind (diesmal zum Beispiel ein Laufband), wirkt wie ein Versuch, die eigenen Ambitionen zu messen: wer es erfinderischer hinkriegt. Bleistift gegen Hantel.

Rezension zum Action-Kracher mit Chris Hemsworth „Tyler Rake: Extraction“ („Evacuation“)
Roman Kovalev
Rezension zum Action-Kracher mit Chris Hemsworth „Tyler Rake: Extraction“ („Evacuation“)

„Tyler Rake: Extraction“ oder „Evacuation“ – ein neuer brutaler Netflix-Blockbuster der Russo-Brüder, der dumm und grausam erscheinen mag, aber langweilig ist er sicher nicht

Open material

Ein paar Stunts hier kann man tatsächlich in die Liste der „coolsten Kämpfe im Kino“ aufnehmen, aber bewundern kann man sie ausschließlich in einer gleichnamigen Zusammenstellung, zusammen mit Klassikern von Jackie Chan oder moderneren Kämpfen von Iko Uwais, Tony Jaa, Donnie Yen oder Scott Adkins. Den gesamten Film noch einmal anzuschauen, besteht keine besondere Notwendigkeit mehr.

Eine dieser Szenen zieht den Blick von den ersten Bildern an magnetisch auf den Bildschirm und lässt keine Minute Verschnaufpause, besonders wenn es zu dem längsten Stück kommt, das in einer einzigen Einstellung gedreht wurde (mit kunstvoll versteckten Schnitten). Das ist wirklich die beeindruckendste Attraktion mit flotten Genre-Mitteln unter den neuen Generationen von Actionfilmen, in der Hemsworth kaum schlechter aussieht als in der Rolle des Thor im Umhang und mit dem Hammer, dabei ein steinernes Gesicht bewahrend, selbst wenn er versucht, über eine persönliche Tragödie zu sprechen.

Aber was den Rest betrifft, so ist „Tyler Rake“ immer noch dieselbe bis zum Rand mit Testosteron vollgestopfte Leinwand, auf der der muskulöse Held zu allem bereit ist, nur um nicht zu Hause sitzen zu müssen (selbst ein überstandenes Koma ist für ihn ein Kinderspiel), und immer und überall andere rettet, anstatt einmal zu versuchen, den Nahestehenden zu helfen. In ein paar Szenen versucht Rake, sich dafür zu rechtfertigen und vergießt sogar eine spärliche männliche Träne, aber das wirkt sehr flach und wenig überzeugend.

Im Feuer unverbrennbar, im Wasser unversenkbar: Rezension zum Film „Tyler Rake: Extraction 2“
Chris Hemsworth in einer Szene aus dem Film „Tyler Rake: Extraction 2“

Ja, das ist hier auch nicht die Hauptsache. Die Russo-Brüder, die die Dreharbeiten vom Produzentensessel aus genau verfolgen, haben den Plan radikal geändert und auf den wahnsinnigen Puls der Stunts gesetzt, indem sie mit einem weiteren Film die Renaissance des maskulinen Actionfilms ohne Eintauchen in Reflexion oder Selbstironie unterstützten. Letzteres gab es reichlich in „The Gray Man“ der Russos selbst, aber was ist am Ende dabei herausgekommen?

Und herausgekommen ist, dass Hemsworths Held zu einer stattlichen Erbschaft der Actionhelden der Vergangenheit verdammt ist, und man während des Anschauens das Gefühl nicht loswird, dass „Tyler Rake“ wie in den 80ern gedreht, aber bis auf weiteres ins Regal gestellt wurde (abgesehen von den neuen Technologien bei den Dreharbeiten, versteht sich). Die ungezügelte Kaskade des Geschehens auf der Leinwand lässt keine Zeit, die gerade beendete Schlägerei vollständig zu verarbeiten, da beginnt eine neue, und so weiter bis zum Abspann, und die Wahl der Schauplätze für den finalen Kampf ist streng durch einen Kodex aus der VHS-Ära begrenzt – entweder eine brennende Fabrik oder ein Dach. Leider, alles wurde schon vor uns erfunden.