
Am 24. Februar kam Joe Wrights Film „Cyrano“ in die Kinos, der einem bereits lange als Klassiker geltenden Werk neues Leben einhauchte. Ob aus diesem Vorhaben jedoch ein fesselnder Film wurde, ist eine andere Frage. Und die beantworten wir.
Cyrano de Bergerac ist kein Schönling. Zumindest denkt er das selbst. Er ist nicht groß gewachsen, dafür aber furchtlos, klug und charmant. Und selbst mit all diesen Eigenschaften glaubt er nicht, dass die Schöne, in die er selbst verliebt ist, ihn lieben könnte. Sie hingegen ist in Cyranos Kameraden verliebt und bittet ihn, ein Auge auf ihn zu haben. Die Männer lernen sich kennen, eine Freundschaft entsteht, und der Kamerad bittet Cyrano, ihm bei den Briefen an die Schöne zu helfen.
Hier beginnt die interessanteste Parallele zur Moderne. Im Film, wie auch im Theaterstück, spielt die Handlung im 17. Jahrhundert, doch Cyranos Hilfe für seinen Kameraden bei den Briefen erschafft etwas Ähnliches wie das, was wir heute haben. Ich habe oft Dating-Apps genutzt, und es kam nicht selten vor, dass eine Person bei einem Treffen völlig anders war als im Chat. Im Grunde verliebt sich die Schöne nicht einmal in den Kameraden selbst, sondern in das durch die Briefe erschaffene Bild. Als würden sich heute zwei Menschen in einer Dating-App in die unechten Bilder des jeweils anderen verlieben. Dann stellt sich die Frage: Was ist wichtiger – das Bild, das ein Mensch erschafft, oder der Mensch selbst? Regisseur Joe Wright gibt im Film eine eindeutige Antwort.
Und obwohl der Film interessante Fragen zur Natur der zwischenmenschlichen Interaktion aufwirft, ermüdet er einen ein wenig. Er ist wunderschön gefilmt, die Kostüme und Kulissen sind nur zu loben. Allein die Schöne ist so, dass man den Blick nicht von ihr lassen kann. Und die Lieder – es ist ja schließlich ein Musical – die Lieder sind sehr schön. Es ist unwahrscheinlich, dass jemand den Soundtrack separat hören wird, aber hervorheben möchte ich Peter Dinklage, der schon zu Zeiten von „Game of Thrones“ großartige musikalische Nummern zum Besten gab.
Doch in all dem steckt eine gewisse Überfrachtung, von der man ermüdet. Die Handlung bewegt sich auf ausgetretenen Pfaden, die man schon oft gesehen hat (auch wenn es sich um eine Verfilmung des Theaterstücks handelt), und irgendwann beginnt man auf die Uhr zu schauen und darauf zu warten, dass der Film endlich zu Ende ist. Das Ende ist klar und offensichtlich, wird aber zu spät präsentiert, wenn der Film bereits reichlich langweilig geworden ist.
Trailer:
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