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In den Kinos läuft ‚Jungle Cruise‘, Disneys neuer Versuch, eine seiner beliebten Attraktionen auf die Leinwand zu bringen. Aber ein neues ‚Fluch der Karibik‘ wurde aus diesem Vorhaben nicht.

Ab dem 29. Juli läuft in russischen Kinos „Jungle Cruise“, der neue Film von Regisseur Jaume Collet-Serra („Unknown Identity“, „Non-Stop“). Die Grundlage des Films bildet die gleichnamige Attraktion aus den Disney-Parks, daher ist er ein hundertprozentiger Vertreter der sogenannten Attraktionsfilme. Jener Filme, bei denen man das Gehirn ausschaltet, es sich im Sessel bequem macht und die zahlreichen Versuche der Macher genießt, einen zu überraschen, zum Lachen zu bringen, zu erschrecken und die entsprechende Abenteueratmosphäre zu schaffen. Ist das dem Streifen mit Dwayne Johnson und Emily Blunt vollends gelungen? Eher ja als nein. Aber ohne Nuancen ging es nicht, die wichtigste davon ist die absolute Zweitrangigkeit.

Die Handlung wie bei „Die Mumie“

Die Forscherin Lily Houghton (Blunt), die aus den Erzählungen ihres Vaters von einem Baum im Amazonasdschungel erfahren hat, dessen Blütenblätter jede Krankheit heilen können, beschließt, das magische „Artefakt“ um jeden Preis zu finden. Nicht einmal die Geschichten über uralte Flüche und gescheiterte Expeditionen können sie aufhalten. Dumm nur, dass sie einen Begleiter namens Frank (Johnson) findet, der, seinen Worten nach, den Amazonas in- und auswendig kennt, und ihr Bruder MacGregor (Jack Whitehall) bereit ist, „sogar in den Schlund eines Vulkans“ mitzugehen.

Jungle Cruise 2021

Von Anfang an erinnert „Jungle Cruise“ verdächtig an „Die Mumie“: dasselbe Trio der Hauptfiguren (sogar die Zusammensetzung ist ähnlich – ein tollpatschiger Draufgänger, eine mutige Maid und ihr tollpatschiger Bruder), dieselben geheimnisvollen Geschichten über Flüche und auf dem Weg zum Ziel gescheiterte Expeditionen (die Goldsucher wurden durch Konquistadoren ersetzt). Nur dass anstelle des heißen Ägyptens die ebenso heißen Oberläufe des Amazonas als Schauplatz gewählt wurden.

Doch mit jeder Minute wird klar, dass es sich hier nicht um einen bloßen Zufall handelt, sondern um einen durchaus offensichtlichen Trend – anstatt zu versuchen, etwas Originelles und Einzigartiges zu schaffen, haben die Drehbuchautoren beschlossen, die Mittel und Wendungen aus den beliebtesten Abenteuerfilmen in ihr Werk zu übernehmen.

Der Vibe von „Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten“

Eine weitere Inspirationsquelle für Jaume Collet-Serra war offensichtlich der Kultfilm von Robert Zemeckis mit seiner bewussten Albernheit (zum Beispiel wird die Komik hier dadurch erzielt, dass Johnsons Figur unermüdlich unlustige Wortwitze macht) und einem sexualisierten Subtext (angepasst an den Zeitgeist). Schauen Sie sich nur das Cover zu diesem Beitrag an – es verweist ganz unmissverständlich auf die Verbindung zu „Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten“!

Dwayne Johnson Jungle Cruise

Aber wenn der Film mit Michael Douglas und Kathleen Turner alles leicht, natürlich und ungezwungen wirkte (selbst in den albernsten Momenten), wirkt der neue Disney-Film viel angestrengter und schwerfälliger. Und manche Witze werden Sie zum Lachen bringen, aber gleichzeitig auch beschämen.

Anleihen bei „Fluch der Karibik“

Natürlich konnten die Macher von „Jungle Cruise“ nicht umhin, auf ihren erfolgreichen Vorgänger zu schielen. Aber das hätte man wesentlich eleganter und weniger plump machen können. Hier wird ein ganzer Handlungsstrang und sogar das Design der übernatürlichen Figuren eins zu eins aus dem ersten Teil der beliebten Piraten-Franchise übernommen.

Jungle Cruise Film
Erinnert an nichts?

Und so weiter die ganze Liste

Auch wenn Sie die genannten Filme aus irgendeinem Wunder nicht gesehen haben, wird Sie beim Anschauen trotzdem ein Déjà-vu-Gefühl nicht verlassen. Dieses Element ähnelt den Abenteuern von Indiana Jones, und hier hat man bei „The Rundown“ mit demselben Johnson abgeschaut und so weiter. Man hat das Gefühl, die Drehbuchautoren Glenn Ficarra, John Requa (übrigens ziemlich talentierte Leute) und ihre Helfer haben geübt, wie viele bekannte Werke der Vergangenheit sie zitieren oder kopieren können.

Jungle Cruise Rezension

Okay, Zitate klar, was noch?

„Jungle Cruise“ ist dynamisch und ereignisreich geraten. Hier fliehen wir gemeinsam mit den Helden vor einem U-Boot, schon wenige Augenblicke später befinden wir uns in einem Versteck von Eingeborenen, begegnen Flora und Fauna sowie übernatürlichen Kräften. Dem Zuschauer wird kaum eine Verschnaufpause gegönnt, obwohl ein paar „seelenvolle“ Szenen doch vorbereitet wurden. Sie wollen doch sicher wissen, dass Frank nicht nur ein dummer Muskelprotz ist, sondern auch ein angehender Musiker!

Wenn man davon abstrahiert, dass wir dies alles im Großen und Ganzen tausendmal gesehen haben, kann man sagen, dass der Film als typischer Sommer-Blockbuster gelungen ist. Die charismatischen Emily Blunt und Dwayne Johnson heben das schwache Material auf ein anderes Niveau. Und Jesse Plemons dabei zuzusehen, wie er einen ultra-karikaturhaften deutschen Offizier darstellt, ist ein besonderes Vergnügen. Fügen Sie noch schöne Natur und meist ansprechende Grafik hinzu, und Sie erhalten eine einmalige und unverbindliche Unterhaltung.

Trailer: