Am Wasser, scheint es, gibt es unendlich viele Gesichter. Es kann zwischen Steinen hindurchlaufen, schäumen, an Felsen brechen und so laut rauschen, dass man seine eigenen Gedanken nicht hört. Und es kann völlig ruhig liegen, die Spiegelung des Himmels und der Morgensonne in sich aufnehmen und unbeweglich erscheinen.

Es kann süß sein, es kann salzig sein. Warm und kalt. Klar und trüb. Tief und ganz flach. Manchmal zieht sich das Wasser zurück und hinterlässt Algen, Steine und dunkle Spuren am Ufer. Man sieht sie an und versteht, dass hier noch vor kurzem das Meer war.

Wahrscheinlich ist es genau das, was ich am Wasser mag – es ist nie dasselbe. Selbst dort, wo es unbeweglich scheint, passiert etwas. Es spiegelt das, was über ihm ist, umfließt das, was in seinem Weg steht, nimmt die Form des Ufers an und zieht sich dann wieder zurück. Und vielleicht kehre ich deshalb so gerne zu ihm zurück. In ihm ist immer Bewegung, auch wenn man sie nicht sieht.