Hinter den Kulissen: über Commissions.
Ich, ein alter Dinosaurier, wusste lange nicht, was das Wort "Commissions" bedeutet (obwohl ich damals schon auf Bestellung zeichnete), eine lustige Geschichte.

Commissions sind Zeichnungen auf Bestellung, eine Lehnübersetzung aus dem Englischen commission, das eigentlich "Auftrag" bedeutet und in der Literatur, wenn es um eine Zeichnung geht, etwa so erwähnt wird: "I commissioned him to do a sketch of the park for me" (Ich beauftragte ihn, eine Skizze des Parks für mich anzufertigen).

Nun gut, neue Zeit, neue Begriffe, aber der Kern ist derselbe: Zeichnung auf Bestellung.

"Commissions" nehme ich über Hipolink an (dort gibt es dafür ein spezielles Formular <- unter diesem Link kann man sehen, wie es aussieht), und bestellt werden sie hauptsächlich von Leuten, die die englische Version meines Comics lesen. Übrigens, merkt euch das, Kollegen: Wenn ihr einen Comic veröffentlicht, besonders auf einer eigenen Website, fungiert er gleichzeitig als Portfolio. Ich nehme dafür nicht viel (15 $ – das ist bei Ausländern etwa eine Stunde ungelernte Arbeit: bei McDonald's zum Beispiel), aber ich zeichne auch in einem vereinfachten Stil.

Und nun die Hauptfrage: Wer hat in der Ära der KI überhaupt Lust, einem lebenden Künstler für ein Bild Geld zu bezahlen?
Und die Antwort. In meinem Bestellformular steht: "Ich zeichne euch ein Bild ohne KI, zeige alle Schritte, damit ihr keine Zweifel habt, und plaudere nebenbei mit euch über eure Welten und Charaktere".
Und hier beginnt die Magie.

Ich bin selbst Schriftstellerin und weiß, wie einsam ein Schriftsteller heutzutage ist. In meiner Jugend war ich von vielen lesenden Menschen mit leuchtenden Augen umgeben, mit denen ich sowohl über meine eigenen Bücher als auch über Bücher im Allgemeinen sprechen konnte. Aber jetzt ist um mich herum Leere. Es gibt keine Lesenden. Keine Interessierten. Es tut weh und ist einsam. Nun: Diejenigen, die bei mir eine Illustration zu ihrem Buch oder Fanfiction oder einfach zu einem Charakter bestellen, der in ihrem Kopf lebt und unbedingt auf Papier gebracht werden will, fühlen sich genauso einsam und haben genauso Schmerz.
In der KI-Ära wollen die Menschen, dass jemand ohne diese KI, mit den Händen, mit einfacher menschlicher Wärme, ein Bild zu einer Geschichte zeichnet, die sie unerwidert lieben, und mit ihnen über diese Geschichte spricht. Und oft kommen diese Leute dann noch viele Male zurück, um weitere Bilder zu bestellen.
Dabei bin ich nicht einmal ein besonders guter Künstler. Und eine KI zeichnet besser, schneller und kostenlos. So ist das.

#hinterdenkulissen #comics