Im Yoga ist die Atmung kein Hilfselement und keine „Zugabe“ zu den Asanas. Sie ist das grundlegende Werkzeug der Selbstregulation, durch das die Praxis sicher, therapeutisch und wirklich bewusst wird.


Aus physiologischer Sicht ist die Atmung direkt mit dem vegetativen Nervensystem verbunden. Indem wir die Art der Atmung, ihren Rhythmus, ihre Tiefe, das Verhältnis von Ein- und Ausatmung verändern, beeinflussen wir das Gleichgewicht zwischen:


‍🏃‍♀️dem sympathischen System (wenn wir aktiv, angespannt, mobilisiert und handlungsbereit sind)
🥱dem parasympathischen System (wenn wir uns entspannen, erholen, anpassen)


Wichtig ist, dass die Atmung einer der wenigen Prozesse ist, der:
🧩automatisch funktioniert
🧩und gleichzeitig bewusst verändert werden kann


Genau deshalb können wir durch die Atmung sanft auf Körper und Psyche einwirken, ohne Druck und Gewalt.


In der Yogapraxis erfüllt die Atmung mehrere Funktionen gleichzeitig:


🪄sie gibt den Bewegungsrhythmus vor
🪄sie zeigt, ob die Belastung angemessen ist
🪄sie hilft, den Muskeltonus zu regulieren
🪄sie hält die Aufmerksamkeit im gegenwärtigen Moment


Wenn die Atmung stockt, flach wird oder ein Atemanhalten auftritt – das ist keine „schlechte Praxis“, sondern ein klares Signal für Überlastung.
Im Leben funktioniert es genauso. Wenn wir lange unter Anspannung leben, wird die Atmung flach und schnell.


Das Interessanteste ist, dass es auch in die umgekehrte Richtung funktioniert! Wenn wir zu einer ruhigeren, rhythmischeren Atmung zurückkehren, senken wir allmählich das grundlegende Stressniveau.


Deshalb ist die Atmung im Yoga keine Technik um der Technik willen, sondern eine Möglichkeit zu lernen, mit sich selbst in Kontakt zu sein.


📝 Aufgabe für den Tag. Beobachten Sie Ihre Atmung im Laufe des Tages: Wie wird sie, wenn Sie ruhig sind, wenn Sie wütend sind oder sich beeilen.


Erzählen Sie, was Sie bemerkt haben?