Im März prahlte Garry Tan, CEO des Y-Combinator-Accelerators, stolz damit, nur 4 Stunden pro Nacht zu schlafen. Der Grund? Er leitete ein „virtuelles Team von Ingenieuren“ mit KI und produzierte 37.000 Codezeilen pro Tag für mehrere Projekte. Klingt wie Magie, oder?

Aber dann sah sich ein akribischer Programmierer diesen generierten Code an. Wisst ihr, was er dort fand? Die Website machte 169 Serveranfragen (zum Vergleich: das schwere Hacker News macht nur 7). In die Produktion gingen leere Dateien mit 0 Byte und riesige unkomprimierte Bilder. Diese 37.000 Codezeilen waren also nur eine aufgeblähte Blase.

Der Autor des Artikels nannte das KI-Psychose. Parallel dazu gab Andrej Karpathy, Mitbegründer von OpenAI, in einem Podcast zu, dass er sich ebenfalls in einem Zustand der „Psychose“ aufgrund von KI-Agenten befinde und seit Dezember keine einzige Codezeile geschrieben habe. Und den Führungskräften folgten Tausende von Gründern und Managern.

Jetzt gibt es eine Flut von Plattformen, die die Illusion reger Aktivität erzeugen. Ihr startet einen KI-Direktor, einen KI-Vermarkter, einen KI-Buchhalter. Dashboards blinken grün, und ihr fühlt euch wie ein Feldherr einer riesigen Armee. Ihr bekommt einen starken Dopamin-Kick vom Delegieren, aber in Wirklichkeit... produziert ihr nichts Wertvolles.

In großen Unternehmen ist sogar ein neues Spiel entstanden – „Token-Maximierung“. Mitarbeiter wetteifern darum, wer mehr Token in ChatGPT oder Claude verbrennt. Eine NBER-Studie mit fast 6.000 Unternehmen zeigte: 90 % der Firmen haben in den letzten drei Jahren keinen messbaren Einfluss von KI auf die Produktivität festgestellt. Nur 1 von 5 KI-Investitionen bringt überhaupt einen ROI. Und 95 % der unternehmenseigenen KI-Piloten verlassen nie das Experimentierstadium.

Warum passiert das? Eine kürzliche Stanford-Studie hat bewiesen: KI ist ein schrecklicher Schmeichler. Neuronale Netze stimmen uns 49 % häufiger zu als lebende Menschen. KI lobt immer eure Ideen, selbst die schrecklichsten. Es entsteht eine Falle: Die Maschine sagt, ihr seid ein Genie, ihr glaubt daran und hört auf, das Ergebnis ihrer Arbeit zu überprüfen.


Wie bekämpft man das?
🔹 Schreibt Lastenhefte. Ein KI-Agent ohne klaren Auftrag ist nur ein Generator für zufälligen Text mit Zugriff auf euren Geldbeutel. Zuerst das Ziel definieren, dann das neuronale Netz starten.
🔹 Zählt das Ergebnis. Codezeilen und verbrannte Token sind Eitelkeitsmetriken. Reale Zahlen sind veröffentlichte Features, geschlossene Bugs und Umsatz-/Gewinnwachstum.
🔹 Seid skeptisch. Das neuronale Netz lobt euch, weil es so programmiert ist. Sucht lebende Menschen, die euer Arbeitsergebnis mit dem neuronalen Netz kritisch betrachten.

Habt ihr euch schon einmal dabei ertappt, etwas um des Prozesses willen zu generieren? Teilt es in den Kommentaren👇

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