Mich interessiert alles, was mit menschlichem Verhalten zu tun hat: welche Faktoren es beeinflussen, wie man es ändern kann usw.
Ich kann mich stundenlang in die Biochemie von Prozessen vertiefen. Ich könnte euch begeistert erzählen, wie sich im Laufe des Tages Adenosin ansammelt und euch abends dazu „zwingt“, schlafen zu wollen.
Ich bin ein Nerd und Perfektionist: Ich möchte ein cooler Spezialist sein, deshalb kaufe ich Schulungsprogramme zu Stoffwechsel, Stressmanagement und Essverhalten. Ich kaufe sie nicht nur, sondern lerne sie mit Vergnügen und setze sie dann mit Kunden um.
Ich liebe es, komplexe Kundenprobleme zu lösen. Wisst ihr, wie toll es ist, wenn jemand, der ein schwieriges Verhältnis zu Süßem hat, freudig schreibt, dass er problemlos auf das Dessert verzichten konnte? Das ist unbezahlbar.
Mit anderen Worten, ich mache das, was mir liegt.
Habe ich aufgehört zu arbeiten?
Von wegen.
Du beginnst eine Praxis und denkst, du wirst Menschen helfen und dich beruflich weiterentwickeln.
Doch in Wirklichkeit musst du auch noch Marketingfachmann, Produzent und Unternehmer werden.
Du musst lernen, Texte zu schreiben, zu verkaufen, verdammt nochmal, Content zu generieren, Videos zu drehen, Podcasts aufzunehmen. Woher sonst nimmst du die Leute, denen du Gutes tust hilfst, ihr Problem zu lösen?
Und bei weitem nicht all diese Dinge bereiten Freude.
Natürlich kann man vieles delegieren, sich am Ende KI-Agenten bauen.
Aber um das Budget nicht in den Sand zu setzen, muss man selbst verstehen, wie das alles funktioniert. Um keine beschissenen KI-Texte zu posten, muss man sich mit Sinn und Copywriting auskennen.
Und auch Delegieren, ein Team führen und Aufgabenstellungen formulieren ist für die meisten kein „Hobby nach Herzenslust“.
Und so ist es mit jeder Tätigkeit.
Ihr flechtet zum Beispiel Körbe. Ihr könnt geniale Körbe flechten und den Prozess genießen. Aber die eigentliche Arbeit liegt woanders: Social Media aufbauen, verdammte Reels drehen, Produktkarten auf Marktplätzen bewerben, mit Kundenreklamationen umgehen und den Logistik-Ärger lösen.
Und ihr werdet kaum in Ekstase geraten bei diesen Aufgaben.
Um zu dem Punkt zu gelangen „ich mache nur das, was ich liebe“, müsst ihr erst einmal wie Papa Carlo all die begleitenden Arbeiten erledigen. Inklusive eurer eigenen Macken.
Die Mühen zahlen sich natürlich aus, aber es ist sehr wichtig, von Anfang an darauf vorbereitet zu sein.
Vielleicht gibt es deshalb so wenige Menschen, die eine Herzensangelegenheit schaffen und monetarisieren. Sie sind nicht bereit dafür, dass hinter dem „Traumjob“ eine riesige Schicht unsichtbarer, langweiliger und schwieriger Plackerei steckt.
Wisst ihr, was das Interessanteste ist?
Beim Abnehmen ist es genau dieselbe Geschichte. Die Leute wollen einen „Traumkörper“, sind aber oft nicht bereit dafür, dass dies eine planmäßige, konsequente und manchmal langweilige Arbeit an den eigenen Gewohnheiten und Routinen ist, und kein „lustiger Sprint im Schlankheitsmarathon“ ab Montag.
Was denkt ihr? Welche Aufgaben in eurer Tätigkeit mögt ihr nicht? Und was bereitet Freude?
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