Ein guter Experte ist oft unbequem: Er stellt Fragen, wenn man schon anfangen möchte, verlangt Zahlen, wenn alles offensichtlich erscheint, und erinnert an Risiken, wenn das Team von einer Idee begeistert ist. Von außen sieht es so aus, als würde er den Prozess absichtlich ausbremsen.
Mit der Zeit habe ich bemerkt: Viel gefährlicher ist es, wenn eine solche Person im Team fehlt. Entscheidungen werden schnell getroffen, Meetings enden früher, Aufgaben gehen in Arbeit, und nach ein paar Monaten stellt sich heraus, dass das Team sehr effektiv in die falsche Richtung unterwegs war.
Der Experte wird nicht nur wegen seines Wissens gebraucht. Er erzeugt Widerstand dort, wo Geschwindigkeit beginnt, Qualität zu verdrängen, und dank seiner Erfahrung erkennt er früher als andere, wohin eine unausgereifte Lösung führen kann. In seinem Beitrag hat Sascha einen großartigen Fußballvergleich gebracht: Der Tech Lead ist ein spielender Trainer, und der Experte ist ein Stürmer, den man nicht zum Trainieren anderer abkommandiert, weil seine Aufgabe darin besteht, Tore zu schießen, die niemand anderem gelingen.
Diese Freiheit von Prozessen ermöglicht es ihm, Dinge zu bemerken, die dem ausgelasteten Tech Lead entgehen: zum Beispiel, dass ein Junior schon lange in der Architektur feststeckt und Workarounds baut, obwohl die Tickets abgeschlossen werden.
Besonders ein Individual Contributor wird nicht für ein schwaches, sondern für ein starkes Team benötigt. Ein schwaches Team weiß vielleicht nicht, was es tun soll. Ein starkes Team kennt in der Regel zu viele Wege und kann jeden überzeugend begründen. In einer solchen Situation zeigt der Experte nicht den einzig richtigen Weg, sondern bemerkt rechtzeitig, dass es auf der gewählten Route keine Brücke gibt.
Manchmal spart ein solcher Stopp Monate an Entwicklungszeit.
Kommentare
0Noch keine Kommentare.
Melde dich an, um mitzudiskutieren.